Bericht zum Herbsttreffen des BMW 6er Club e.V. vom 20.09. – 22.09.2024 in Bad Herrenalb
Auf der Suche nach der Ideallinie.
Kennen Sie Bretten? Nicht? Bretten liegt im Landkreis Karlsruhe, hat gut 30.000 Einwohner, die Postleitzahl lautet 75015 und aktuell (also September 24) befindet sich in der Pforzheimer Straße eine Sperrung von ca. 200 Metern. Fahren Sie hin, das müssen Sie sich ansehen! Es ist idyllisch dort und 200 Meter reichen, um 35 6er BMW inklusive Fahrer und Beifahrer (in der Regel *innen) soweit von der Ideallinie abzubringen, dass das nächste Ziel nicht das Schloss in Heidelberg hätte sein können, sondern der bayrische Wald. Denn wir standen – sinnbildlich – im Wald. Die obligatorische Frage „wo sind wir???“ musste mit drei Fragezeichen formuliert werden und die Antwort für die Ortsfremden (also 90% der Teilnehmer) lautete nur noch „Irgendwo im Ländle“. Immerhin fuhr niemand in den bayrischen Wald – wahrscheinlich.
Und 90% der Teilnehmer war eine ganze Menge, denn die 100% standen für 86 Personen, wenn man die Tagesgäste mitzählt. Es war eines der größten, wenn nicht sogar das größte Herbsttreffen aller Zeiten, zu dem uns Familie Gammelin ins Parkhotel Luise in Bad Herrenalb einlud. Es gab schon Frühjahrstreffen, die nur halb so groß waren. Das Programm war also sehr attraktiv gestaltet, das Interesse und die Vorfreude dem entsprechend groß.
Das Suchen nach der Ideallinie begann bereits in der Hotelgarage, denn durch die Lage am Steilhang, hatte das Hotel Etagen verteilt von Stockwerk -4 bis +5 und dass man ebenerdig in eine Garage der Ebene -4 einfahren kann, ist auch eine Seltenheit. Nach der Eingabe eines Codes, der dreimal länger war als die PLZ von Bretten (Sternchen nicht vergessen), zum Öffnen des heiligen Portals, suchte im Schummerlicht eines Betonbunkers dann jeder seine eigene Linie, um sein Auto irgendwohin zu bugsieren, nur nicht an die Wand. Aber wir können ja Autofahren und machen das nicht zum ersten Mal.
Froh war trotzdem jeder, dass es keine Kratzer gab und so konnten sich die bis 14.00 Uhr angereisten Teilnehmer im Shuttlebus zum Baumwipfelpfad nach Bad Wildbad chauffieren lassen und somit kurz entspannen, denn auf der Suche nach der Ideallinie ging es zu Fuß über Stege durch die Bäume und endete im Aussichtsturm mit Rutsche, jeweils spiralförmig angelegt. Die einen rutschten, die anderen gingen. Ob sie die Ideallinie gefunden haben? Zumindest ging keiner im Wald verloren, denn nach der JHV, bildete sich eine deutliche Linie am Buffet – leicht schräg, aber der Hunger heiligt schließlich alle Mittel.
Am Samstag (nach der Suche irgendeiner Linie aus der Garage) bildete sich ein schön anzusehender Korso von 6er BMW-Fahrzeugen, die durch den nördlichen Schwarzwald glitten. Zunächst zumindest, denn nach gut 40km kam Bretten. Eine kleine Gruppe schaffte es tatsächlich noch bis zum Heidelberger Schloss zusammen zu bleiben, die meisten jedoch wurden zu Einzelkämpfern auf der Suche nach dem Handy, im Vertrauen auf Rettung durch die Satelliten unterstützte Software. Schluss mit Ideallinie, das Überleben auf den schwäbischen Landstraßen war wichtiger. Einige von uns fuhren danach ja noch in weitere Umleitungen. Nicht zu vergessen, der Stau wegen der großen Baustelle auf der Montpellierbrücke in Heidelberg, in den manchen von uns die Software lockte. So viel zum Thema künstliche Intelligenz.
Im imposanten Schloss zu Heidelberg, gab es dann Nervennahrung und eine Führung von Damen in historischen Kostümen, die uns über Geschichten von Liebe, Tod und Zerstörung aufklärten, von Irrungen, Wirrungen und Verheerungen erzählten, so dass das Schloss jetzt als Ruine zu besichtigen ist, wenn auch als eine imposante. Der Adel verlor hier und da ganz eindeutig seine Ideallinie. Ob die schon mal in Bretten waren?
Leider hat es dort am Parkplatz noch unseren Heiko, Urgestein aus den Anfängen des Clubs, erwischt. Er blieb wegen Kupplungsschaden liegen. Was für ein Pech, er konnte über 10 Jahre nicht an einem Treffen teilnehmen, endlich haben wir ihn mal wieder gesehen und dann solch ein Malheur. Beim nächsten Mal klappts wieder richtig!
Am Ende der Schlossbesichtigung, fuhr dann ein Teil unserer Truppe weiter Richtung Sonnenuntergang, vor allem aber Richtung Hockenheimring. Das Herz ging uns auf, Liz und Markus hatten mit großem Engagement für uns eine Führung inklusive Fahrt mit unseren Autos über den Ring organisiert. Da wurden wir wieder zu kleinen Jungs und Mädels, die keine Ahnung haben, was eine Ideallinie ist, aber jede Menge Ahnung, was Spaß bedeutet. Wir folgten dem Pace Car egal wohin (nur nicht nach Bretten) und bekamen einmalige, ja wirklich einmalige Foto-Motive, die unsere Seele berührten.
Danach aber war nur noch die Satelliten unterstützte Software angesagt, denn wir wollten zum Abendessen, es war bereits dunkel. Das Glück der Tapferen eine staufreie Autobahn zu erwischen war uns hold – somit war eine einzige Linie angesagt. Die mit dem Pfeil Richtung Abendessen und an die Bar, in der sich ein Designer offenbar ausgetobt und seine Ideallinie verloren hat. Ein Teil war afrikanisches Safaricamp mit Kanibalenbestuhlung, der andere Teil alpine Almhütte, wahrscheinlich geklaut vom Stanglwirt in Kitzbühel. (siehe Zillertal Treffen). Das alles auf Ebene -1. Also +3 Ebenen über unseren Autos, aber -3 Ebenen unterhalb unserer Hotelzimmer. So ungefähr. Wahrscheinlich.
Haben wir also trotz alldem unsere Ideallinie gefunden? Und wie! Und wissen Sie warum? Kein Stau, keine Sperrung, keine Baustelle im XXXL-Format hat und wird uns ausbremsen. Die bald 30 Jahre haben uns zusammengeschweißt. Wir finden noch in den hintersten Winkel, ins tiefste Tal und durch den dunkelsten Wald. Wir haben nämlich ganz einfach das, was unser Hobby ausmacht: Genuss und Freude!
Wir sehen uns zum 30-jährigen Jubiläumstreffen in München – nicht vergessen: 30 Jahre Feuer und Flamme!
Und fahren Sie nach Bretten. Das Coaching zur Selbstfindung Ihrer persönlichen Ideallinie dort ist kostenlos!
Gerhard Holmer, gh@bmw6er-club.com.